klar, Du kannst das auch shapen... gar keine Frage...
Der Gedanke, der dahinter steht, ist ein anderer. Ich will am Anfang möglichst oft die richtige Handlung belohnen, da über Belohnung am besten gelernt wird. Ich will, dass dabei die Übung korrekt ausgeführt wird, denn so halbrichtig ist eben nicht richtig und das will ich nicht belohnen, sonst weiß der Hund ja nicht, was eigentlich gewollt ist und zeigt später eine unsaubere Arbeit.
Also arbeite ich mit Kommandos, die der Hund kennt. Notwendige Kommandos beim Fvw wären damit:
Such&hilf beim Ansatz,
das Kommando "Geh Frauchen" wenn der Hund vom Opfer weg geschickt wird,
gleichzeitig ein "Hier" oder "Komm" vom Hundeführer, damit er kommt,
ein Signal für die Anzeige (am besten auch ein Hörzeichen, es fällt einem viel leichter Hörzeichen wegzulassen, als unbewusste Körpersignale abzubauen),
ggf. ein Ruhig- oder Wartekommando, bis der Hund angeleint ist, und
ein Kommando für "Zeigs mir" für den Refind
(und bei Bedarf noch mal ein "Hörzeichen" oder anreizen vom Opfer).
Das wäre der Fvw an der Leine. Vorausgesetzt, der Hund weiß, was mit den Hörzeichen gemeint ist, wird er damit die einzelnen Bestandteile der Handlungskette auch ausführen. Das Kommando wird gegeben, der Hund führt es aus und zwar korrekt und ohne zu schlunzen oder sonstwie abzukürzen, und er bekommt dafür seine Belohnung. Angenommen, der Hund löst sich nicht vom Opfer - was würde ohne ein Kommando passieren? Der Hund geht meinetwegen Karnickelköttel fressen auf dem Weg zum Hf oder an den nächsten Busch zum pissen. Und dann? Shapen?? Schimpfen? Wie lange will ich warten, bis der Hund zu mir kommt als Hf? Soll ich ihn für diese unsaubere Übung dann etwa noch belohnen? Und damit dem Hund sagen, also gut, Du kannst auf dem Rückweg prinzipiell treiben was Du willst, wenn Du irgendwann bei mir auftauchst, gibts Fressi??? Irgendwann lernt der Hund, dass pinkeln gehen zum Ablauf der Handlungskette dazu gehört (...blöd nur, wenn die Blase irgendwann leer ist, dann funktioniert womöglich die ganze Anzeige nicht mehr

). Wenn ich als Hundeführer "Pfui" rufe und schimpfe, kann ich Glück haben und der Hund bricht die unerwünschte Handlung ab. Und dann? Damit weiß der Hund immer noch nicht, was er stattdessen tun soll. Also brauche ich an dieser Stelle ein Kommando um ihn auf die richtige Bahn zu lenken und ihn belohnen zu können oder zumindest die Übung zum Abschluss zu bringen - und zwar nicht so, wie der Hund will.
Jetzt haben wir gesagt, dass wir die Pendelei nicht in 1000 Einzelteile zerlegen wollen, sondern im ganzen üben. Das ist eine zwar sich ständig wiederholende Handlungskette, aber die ist trotzdem ziemlich umfangreich. Wenn der Hund jetzt 4x brav hin-und-her gependelt ist und beim 5. mal nicht mehr ganz bis zum Opfer dran geht - dann kann ich ihn schon nicht mehr belohnen, auch wenn er das 6. und 7. Mal, bis der Hf beim Opfer eintrifft gut gearbeitet hat! Sonst belohne ich, dass er abgekürzt hat. Ich müsste in dem Moment, wo der Hund schummelt, die ganze Übung abbrechen. Das wiederum führt irgendwann unweigerlich zum Auslöschen des gesamten Handlungsablaufs, und das ist ja nicht Sinn der Sache - es sei denn, ich kann ihm die Übung so servieren, dass er sie definitiv 100% korrekt ausführt und gar keine Fehler machen kann und dafür dann belohnt wird. Nur dann kann der Hund sich den Unterschied zwischen "richtige Übung" und "schief gegangen, hat keinen Sinn" erklären.
Ich will von vornherein nicht, dass der Hund in der Aufbauphase Gelegenheit bekommt, Fehler zu machen. Daher erkläre ich ihm jeden einzelnen Teilschritt mit einem Kommando (das ja bereits beim Anzeigenaufbau einstudiert wurde und das der Hund fehlerfrei beherrscht). Wenn er einzelne Teilschritte perfekt zeigt, muss ich dafür kein Kommando mehr geben. Wenn er anfängt zu schludern, dann brauche ich die Übung nicht abzubrechen (zumal auch da der Zeitpunkt so exakt getimed werden muss wie ein Lob - d.h. innerhalb von max. 2 Sekunden), sonst kapiert der Hund nicht, was ich sagen will. Mach das mal, wenn der Hund nicht zum Opfer rangeht und Du noch 10 m weg bist, der Hund sofort auf der Hinterachse kehrt macht und freudig zu Dir zurück kommt, bevor Du überhaupt Luft geholt hast um was zu sagen!!! Stattdessen sage ich "Nein - zeigs mir" und gebe ihm klare Ansage und das Opfer lockt ihn mit "komm her" zu sich. Wenn der Hund diese Ubung zwar geradebrecht, aber doch richtig gemacht hat, kann ich ihn wiederum dafür belohnen. Spätestens, wenn sich ein Fehlverhalten etabliert hat, muss ich eh anfangen, mir einen Übungsablauf einfallen zu lassen, bei dem der Hund einfach nicht in der Lage ist, einen Fehler zu machen, damit ich ihn für das richtige belohnen kann. Also kann ich auch gleich so anfangen.
Denk mal dran, wie Du dem Hund die Grundstellung, also das Kommando-freie Absitzen neben Dir, sobald Du stehen bleibst beigebracht hast... Du hast 2 Möglichkeiten: Du shapest es, dh. Du bleibst stehen und wartest, bis der Hund irgendwann vor Müdigkeit oder aus Übersprung den Hintern runternimmt und sich hinsetzt. Dann shapest Du ihn gerade neben Dich in die korrekte Grundposition und dann übst Du irgendwann ein schnelles Setzen und belohnst die langsamen Versuche nicht mehr.
Andere Möglichkeit: Du bringst ihm erst das Kommando Sitz bei, indem Du ihm das Leckerchen so über den Kopf hältst, dass er automatisch irgendwann den Hintern auf den Boden bringt. Dazu sagst Du sitz und gibst ihm die Belohnung. Das lernen Welpen in den ersten Tagen beim Hundeführer. Gehst Du mit ihm nun die Unterordnung und bleibst stehen, sagst Du "sitz", der Hund setzt sich, weil er das so gelernt hat und verknüpft es nach und nach mit immer der selben Situation: Du bleibst stehen. Irgendwann setzt er sich automatisch, weil er das Stehenbleiben ebenso mit der Handlung hinsetzen verknüpft hat wie das Hörzeichen. Angenommen, Du übst das erstmalig mit Deinem Hund auf einer nassen kalten Wiese... Dein Hund setzt sich womöglich nicht spontan hin, a) weil es doof ist und b), weil "stehenbleiben bei nasser Wiese" nicht in sein Denkschema eingebaut ist, denn bislang hast Du nur auf dem trockenen Platz geübt. Die Umstände sind also andere und schon ist das Kommando Stehenbleiben = Sitz aufgehoben. Was tust Du ? Du korrigierst ihn mit dem Kommando "Sitz", gibst also eine klare Ansage, die keinen Ermessensspielraum enthält. Sitzt der Hund, belohnst Du ihn hoffentlich...
Das ist nichts anderes, als die von Euch so merkwürdig empfundenen "vielen Hilfen" die eigentlich nur klare Ansagen für den Hund sind, damit er nicht in Verlegenheit kommt, Fehler zu machen. Ich würde dabei auch auf klare, eindeutige Kommandos zurückgreifen und Dinge wie anreizen, anschnalzen, weghüpfen, aufmerksam machen usw. möglichst vermeiden, denn diese haben auf den Hund keine inhaltlichen Aussagen. Er lernt mitunter nur, dass er das Opfer/den Hundeführer lang genug zappeln lassen muss, damit dieser aktiv wird und es sich wieder lohnt, dorthin zu gehen. Die Frage ist dann, wer von beiden den Schalter betätigt... AKtion und Reaktion sozusagen... eigentlich sollte ja der Hund mit seiner Handlung in Vorlage treten, um vom Menschen eine Reaktion zu erhalten und nicht umgekehrt. Beim Fehlerkorrigieren ist es manchmal sehr interessant, was für komplexe Kommunikationsmechanismen sich so als Handlungskette zwischen Mensch und Hund etablieren
Aber egal, WIE jeder seinen Hund ausbildet, ist dessen eigenes Vergnügen, und da wird auch jeder irgendwann seinen eigenen Stil entwickeln. Ob erfolgreich oder nicht, zeigt sich dann... es gibt mehr als einen erfolgreichen Weg...
CU
Daniela