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1

Montag, 26. Oktober 2009, 16:30

Vom Highwinder zur Spurtreue: Wie ?

Liebe Fories,

wir haben in unserer Truppe drei Hunde, die schwerpunktmäßig mit hoher Nase arbeiten (nebenbei: alle Hunde mit hoher Erfolgsquote und guter Suchqualität). Problem: Wenn diese Hunde bei längerer und schwieriger Suche erschöpft sind, kannst Du kaum einen anderen, insbesondere keinen spurtreuen Hund ansetzen, weil der die Anschlussspur nicht oder nur sehr schwer findet. Welche Erfahrungen oder "Tricks und Tipps" habt ihr, einen Hund möglichst spurtreu trailen zu lassen bzw. wie kriegt man einen schwerpunktmäßigen Highwinder zur bodennahen, mehr spurtreuen Suche ?

Freundliche Grüße

Gerrit Dieckman

2

Montag, 26. Oktober 2009, 17:15

Hallo Gerrit,

stehe irgendwie auf dem Schlauch. Wo liegt denn das Problem? Wieso kann denn der eine Hund die Spur nicht aufnehmen, wenn es eine gibt? Über welche Entferungen unterhalten wir uns hier?
Was genau hat den Spurtreu mit bodennaher Suche zu tun? (meinst du hochbeinige Hunde und welche die eher kleiner sind?) Was ist denn mehr spurtreu und was weniger?

?( ?(
Grüße Silvia
Ein Frosch der im Brunnen lebt,
beurteilt das Ausmaß des Himmels
nach dem Brunnenrand.

(Aus der Mongolei)


Westlaekenteam

3

Montag, 26. Oktober 2009, 20:44

Hallo !
Also liegt das Problem doch nicht an den Highwindern ( denn die suchen ja laut dir gut ) , sondern an den folgenden Hunden ???? Oder habe ich jetzt was falsch verstanden ? Aber einer Spur / Geruch folgen doch auch die HW ? Also muß da ja auch was für die Tiefsucher sein ?
Aber die Frage , wie man einen HW runter bekommt , die ist gut ! Die stellt sich mir auch !
Ciao Claudia
Ciao Claudia
Sheila ( die ich nie vergesse ) und Lennox

4

Montag, 26. Oktober 2009, 22:44

Hmmm, jetzt bin ich ein wenig am grübeln. Ich hab nun einige Begrifflichkeiten im Bereich des MT mir erklären lassen. Da gibt es die Randsucher, die Hochwindsucher oder auch Highwindsucher, und weitere Wortprägungen. Alles Wortprägungen, die mir nicht viel sagen. Ich halte es eher mit dem praktischen Teil und arbeite meinen Hund.

Ich kann aus eigener Erfahrung nur darüber schreiben, dass Hunde nach einem motivierten Aufbau recht spurtreu arbeiten und dieser Punkt mit der Ausbildungsstruktur zusammen hängt. Abweichungen von etwa einer Leinenlänge in den Flowing Negativs ist für mich eine normale Angelegenheit. Was darüber geht beantwortet mein Hund mit einem deutlichen Negativ und sucht sich selbst oder mit meiner Hilfe wieder in die Spur ein.

Natürlich sind die Ausbildungswege recht unterschiedlich. Da wir im Ausland geweilt haben, hat sich wiedermal so einiges für unseren Erfahrungsschatz ergeben. Ich nutze mal die Worte von Kevin Kocher. Ich kann zeigen, wie ich meinen Hund ausbilde und vorbereite. Das für mich wichtigste Instrument in der Ausbildung eines MTs ist die Motivation.
Grüße
Holmes


Die meisten Leute arbeiten an Eiligen Dingen, nicht an den Wichtigsten
(Donald Rumsfeld)

WestLaekenteam

5

Dienstag, 27. Oktober 2009, 09:49

@ Holmes:

inwiefern hat die "Spurtreue" (Nähe der Fußspur) etwas mit der Motivation zu tun? Ich meine jetzt nicht die weitläufigen Zeitungslesen-Ausflüge eines halbherzig arbeitenden Trailers, klar ist das eine Frage der Motivation ob der Hund sich auf die Spur konzentriert oder rumschnöselt.

Wenn ich das richtig verstehe hat jede Spur eine gewisse - und zum Teil erhebliche - "Breite": Ein Teil der Partikel/Hautschuppen fällt nahe der Fußspur zu Boden, ein Teil wird vom Wind (Regen/Straßenverkehr) weiter weggetragen. Woran der Hund sich nun orientiert ist offenbar eine Frage der Rasse/Hundetyp und der Ausbildung (wenn der Hund nie weiter als eine Leinenlänge von der Fußspur weggelassen wird, lernt er auch den Partikeln in diesem Radius zu folgen). Der Hund der weit am Rand der Spur sucht arbeitet deshalb aber nicht weniger motiviert/konzentriert als der der nahe der Fußspur arbeitet...?

Frage: Wie weit kann ein Hund nach 36 oder 48 Stunden Wind und Wetter auf belebten Straßen und Parkplätzen überhaupt noch Geruchspartikel nahe der gelaufenen Fußspur finden...?

Haben grundsätzlich sehr Fuß-Spurnah suchende Hunde die höhere Erfolgsquote? Ist es empfehlenswert jeden Hundetyp in der Ausbildung möglichst nah an diese hinzutrainieren?

LG, Ulrike

6

Dienstag, 27. Oktober 2009, 10:16

Moin,

Gedankengang ist den frischesten Scent zu verfolgen. Der Hund lernt über das "Jagdspiel" die frische Spur zu verfolgen. Das bedeutet, dass er zügig aufgrund geeigneter Ausbildungsschritte an die Spur gebunden werden soll. Das intuitive Suchen hat nichts mit dem Suchen aufgrund des nur möglichen Ausarbeiten mittels der Leinenlänge zu tun. Mit der Rasse hat es auch wenig zu tun. Eher sind die Vorerfahrungen ein beschränkender Punkt und die Gedanken, das Verständnis sowie die Emotionslage des HF.

Die Vorstellungen des Verteilens der Hautpartikel ist ein recht unterschiedlich gesehener Punkt. Es werden Partikel vertragen, keine Frage, und es gibt einen gegangenen Weg, ich bezeichne ihn mal als Hauptspur. Ich hab keine Erklärung dafür, nur zeigt mein Hund recht deutlich den gegangenen Weg an. Die Abweichungen sind eher auf weniger als eine Leinenlänge beschränkt. Die Korrekturen nur auf wenige Ausnahmen nötig und seine Arbeit zügig und schnell.

Spuren mit längeren Liegedauern trainieren wir in bestimmten Formen. Known oder Unknown ist je nach Tagesform zu sehen. Die Spuren sind kurz, haben nur beschränkte Ablenkungen und der Schwierigkeitsgrad wird dem momentanen Trainingsziel angepasst. Was für den Hund immer erfolgt ist nach dem Auffinden ein nochmaliges motivieren, wir bezeichnen die Übung als Intensity.

Kommt es zu Schwierigkeiten geht es Schritte zurück. Das Lesen des Hundes ein absolutes Muss und an diesem Punkt immer die Kontrolle durch einen erfahrenen und sicheren Mitläufer.

Was der Hund nach 48 Stunden noch wahrnimmt, kann ich nicht sagen. Das er was bis zu 72 Std. in bebauten Bereichen wahrnimmt, ist ein Erfahrungswert.

Das war eher nicht zielführend. Die Hilfen durch den HF führen zu einer von mir nicht gewollten Abhängigkeit.

Zitat

(wenn der Hund nie weiter als eine Leinenlänge von der Fußspur weggelassen wird, lernt er auch den Partikeln in diesem Radius zu folgen).


Ich bereite meinen Hund so vor, dass er mir den "Gehorsam" aufgrund gewählter Ausbildungsschritte auf der Trail zeigt. Dazu zählt auch die klaren Negative. Die Selbstständigkeit erfolgt durch die gewählte Ausbildungsform mit den entsprechenden Korrekturen. Das ganze ist recht umfangreich und nicht immer mit dem sofortigen Erfolg gekrönt, den man sich so vorstellt. Nach nun fast zweieinhalb Jahren Ausbildung in einem Ausbildungsweg hat sich für uns recht deutlich gezeigt, was alles möglich ist und wo deutlich die Grenzen liegen.

Die Verteilung der Geruchspartikel stelle ich mir so vor, wie die Blätter vom Baum fallen. Recht viele bleiben unterhalb des Baumes liegen und ein kleiner Teil wird verweht. Über diesen Bereich könnte man nun wieder unterschiedliche Meinungen zu rate ziehen und es bleibt trotzdem blanke Theorie. Für mich zählt die Arbeit meines Hundes. Er hat die entsprechende Nase dafür und mir ist es wichtig seine gezeigten Verhaltensweisen richtig zu interpretieren. Das Wort Motivation hat in dem gewählten Ausbildungsweg eine andere Bedeutung und so mancher kann sich nur schwer damit anfreunden. Die geballte Energie auf den Trail zu bringen ist nicht einfach und in den Trainingsbereichen ist es kein Spaziergang.

Zitat

Haben grundsätzlich sehr Fuß-Spurnah suchende Hunde die höhere Erfolgsquote?


Es gehört weitaus mehr dazu, als nur den Hund nahe an die Spur zu bringen. Im Seminar in Oklahoma hatten wir einen Blindtrail für die Teilnehmer gelegt. Erfolg war, dass die HF mit ihrem tauben Hund die falschen Schlüsse aus dem Verhalten des Hundes gezogen hat. Die Person wurde erstmal nicht gefunden. Die Faktoren für eine erfolgreiche Arbeit sind sehr umfangreich.

Zitat

Ist es empfehlenswert jeden Hundetyp in der Ausbildung möglichst nah an diese hinzutrainieren?


Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil trainiere ständisch den Fokus meines Hundes und schaue mir seine Verhaltensweisen an. Für mich gibt es nichts schlimmeres als einen Ghosttrail zu laufen. Drum ist mir eine spurnahe Ausbildung wichtig. Dazu zählt unteranderem auch die Arbeit des Negativs und intuitive Suche meines Hundes sowie viele weitere kleine Details die mir im Laufe der Jahre sehr wichtig geworden sind.
Grüße
Holmes


Die meisten Leute arbeiten an Eiligen Dingen, nicht an den Wichtigsten
(Donald Rumsfeld)

WestLaekenteam

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Holmes« (27. Oktober 2009, 10:26)


7

Dienstag, 27. Oktober 2009, 12:49

Hallo zusammen,

also ich verstehe Gerrits Problem eher so: Er hat Hunde, die viel über den Hochwind suchen und wenn die mal erschöpft sind, dann kann man an diesem Punkt keinen neuen Hund ansetzen, weil dort keine Spur ist, weil der Vorgänger ja über Hochwind gearbeitet hat???

Also ich würde da eher klar sagen: Ausbildungsfehler!?

Sicherlich kann es mir immer mal wieder passieren, dass mein Hund aufgrund der Spur abkürzt, aufgrund der Örtlichkeit mal über den Hochwind arbeitet usw. Aber das darf keine Regelmäßigkeit sein... und v.a. nicht während der Ausbildung eines Junghundes! Da sollte man, meiner Meinung nach, schon auf eine gewisse Spurtreue (ich hasse dieses Wort) achten und den Hund nicht zuviel abkürzen und über Hochwind suchen lassen.

Lg
Babsi
Vertrau Deinem Hund!

8

Dienstag, 27. Oktober 2009, 15:50

Hmmm...

also meiner laienhaften Beobachtung zur Folge hat das Phänomen Hochwindsuche mit Mantrailen in der Regel Null gemeinsam. Ein Hund der über den Hochwind Witterung bekommt hat auch sein Opfer meist schnell gefunden. Diese Hunde suchen in der Regel mehr nach Witterung, als dass sie sie verfolgen. Leider kommen sie dennoch sehr häufig zum Ziel was an der Struktur der allgemein üblichen Trailverläufe liegt.

Das ein zweiter Hund an diesem Punkt, wo der erste so suchenden Hund abgebrochen hat keinen Anschlußpunkt findet lässt weiterhin den Schluß zu, dass sich der erste Hund definitiv zu weit von der Spur entfernt hat.
Grüße Silvia
Ein Frosch der im Brunnen lebt,
beurteilt das Ausmaß des Himmels
nach dem Brunnenrand.

(Aus der Mongolei)


Westlaekenteam

9

Sonntag, 1. November 2009, 18:30

Vom Highwinder zur Spurtreue: Wie ?

Liebe Fories,

war beruflich eingespannt, kann leider erst jetzt antworten. hab auch erst über die Antworten nachgedacht. Antworten jetzt nach und nach nach Themen geordnet.

Thema: Entfernung oder Länge des Trails

Die Länge des Trails ist m.E. nicht entscheidend, zumindest nicht der allein entscheidende Faktor für den Trailerfolg, sondern eher die Schwierigkeit des Trails. Schaut man sich die Prüfungsordnungen für Mantrailer an, kann man den Eindruck bekommen, der Grundsatz hieße "Schneller, höher, weiter !". Wer einmal einen Trail gemacht hat durch ein Wohngebiet mit vielen Hochhäusern und Windkaminen, dann entlang und über eine 4spurige Hauptverkehrsstraße mit Windverwirbelung durch Autos, danach über einen freien Autoparkplatz und dann noch über einen Wochenmarkt mit verschiedenen Ständen mit Wurst, Käse, Obst etc.und diversem Publikumsverkehr (Länge 300 m), der weiß, was ich meine. Die Schwierigkeit, die Differenzierungsleistung des Hundes und damit seine Anforderung liegen um ein Vielfaches höher als bei einem Trail durch ein einsames Waldgebiet.

Freundliche Grüße

Gerrit Dieckman

Fortsetzung folgt.

10

Sonntag, 1. November 2009, 19:20

Wie lange trailen die Hunde schon???

Auch in einem Waldgebiet kann ich Schwierigkeitsgrade einfügen, die den HF mehr als einmal zweifeln lassen.
Grüße
Holmes


Die meisten Leute arbeiten an Eiligen Dingen, nicht an den Wichtigsten
(Donald Rumsfeld)

WestLaekenteam

11

Sonntag, 1. November 2009, 19:33

Vom Highwinder zur Spurtreue: Wie ?

Liebe Fories,

hier Antwort II: Warunm findet der Anschlusshund den Anschluss nicht ?

Hier ist für mich schon die implizite Vorannahme falsch: Alle Hund sind gleich (gut) und damit muss ja jeder Anschlusshund automatisch die Spur finden. Falsch oder: Bullshit.

1. Hunde haben unterschiedliche Suchformen rassespezifisch: Wenn ich meine 2 Bloodhounds während des Trails beobachte, unterscheiden sich die Bewegungsformen doch sehr von denen eines Border Terriers oder eines Magyar Viszla oder eines Malinois. Jede Rasse ist anders. Dazu kommt: Ich persönlich finde große Hunde mit langen Hälsen und langen Beinen (z.B. Bloodhound Google) viel leichter zu lesen als kurzbeinige gedrungene und gestauchte Hunde (z.B. Border Terrier). Situativ ist mal die eine, mal die andere Suchform von Vorteil.

2. Hunde haben unterschiedliche Suchformen individualspezifisch: Unser Bloodhound Google sucht genauso bodennah wie er sich Duftfetzen aus der Luft nimmt, Bloodhound Bobby Lee (2 Jahre Leitrüde der Bayrischen Bloodhoundmeute auf Schleppjagden, danach nach 1 Jahr in miesester Haltung vom Suchhundezentrum Bayern von Alexandra Grunow gerettet, von mir erfolgreich Angst therapiert), sucht nur bodennah, bis die Schnauze wund wird. Außerdem gibt es genetische Voraussetzungen. In jedem Wolfsrudel gibt es einige Hunde, die besser Spuren verfolgen können, andere, die besser und ausdauernder hetzen können, andere, die besser packen und töten können, andere, die Streit schlichten etc.. Die Stärke des Rudels beruht auf der optimalen Verteilung der Fähigkeiten der Individuen auf die Anforderungen der Umwelt mit dem Ziel des Überlebens. Heute kämpfen unsere Hunde aufgrund der Symbiose mit ihren Hundeführern nicht mehr ums Überleben. Trotzdem gibt es individuelle Unterschiede beim Trailen, individuelle Teilqualitäten oder Talente: Der eine Hund kann gut Starts, der andere gut Kreuzungen etc.. Dies hat Auswirkungen auf Einsatz und Lernschwerpunkte. Der Erfolg ist ein Teamerfolg. Wohlgemerkt: Ich spreche hier nicht von genereller Elite, sondern von individuellen Fähigkeiten und Vorzügen. Natürlich gibt es genetische Vorteile, z.B. wenn ich mehr Riechzellen von der Natur mitbekommen habe und mein faltiges Knautschgesicht mehr Gerüche sammeln kann, aber das ist nicht alles entscheidend für den Sucherfolg.

3. Hunde haben unterschiedliche Motivationsbedürfnisse: Beispiel I: Unser Google braucht eher mal einen Dämpfer, um nicht zu überlaufen, Bobby Lee braucht Ermutigung. Beispiel II: Ich habe des öfteren erlebt, wie Schutzhund geprägte Ausbilder versucht haben, mit Druck und Härte Rassen wie Bloodhound oder Beagle zu (Trail) Leistungen zu drillen. Das geht voll in die Hose (habe 5 Jahre traumatisierte Hounds, vor allem allerdings aus Laboren, therapiert). Entweder der Hound wird so ängstlich, dass er vor Panik gar nichts mehr lernt, oder er weigert sich schlichtweg, noch irgendetwas anzunehmen, oder er ist so verunsichert, dass er sich nicht mehr traut, auf Trails eigene Entscheidungen ohne Rückfragen an den Hundeführer zu treffen.

4. Hunde haben unterschiedliche Ausbildungsniveaus und Ausbildungsstände. Nebenbei bemerkt: Ich kenne keinen Trailhund, der nicht während seiner Ausbildung Fehler gemacht hätte (wie auch sein Hundeführer). Die entscheidende Frage ist, ob ich diese Fehler als Lernchance begreife oder nicht.

5. Hunde haben unterschiedliche Tagesformen: Jeder Hund und jeder Mensch hat mal einen schlechten unkonzenrierten Tag, wo nichts geht. Völlig normal und kein Grund, die gesamte Ausbildung in Frage zu stellen. Lediglich die Häufung von systematischen Fehlern ist ein gewichtiger Grund über Änderungen nachzudenken.

6. Generell: Wer mir sagt, sein noch so guter Hund hätte noch nie eine Spur verloren und den Geruch nicht wieder gefunden, ist m.E. nicht ganz ehrlich. Realität ist: Es kommt vor und wir versuchen, die Quantität zu verringern, indem wir die Qualität der Ausbildung steigern.

Dies sind nicht alle möglichen Gründe für den Verlust von Anschlussspuren, aber ich denke wichtige. Was mir wichtig ist, ist das Zulassen von Fehlern und der konstruktive lernende Umgang mit Fehlern im Training, ohne die eine kontinuierliche Verbesserung nicht möglich ist. Und natürlich die individuelle Umgangsform mit jedem Trailhund. es gibt sicherlich Essentials, notwendige Dinge, die ein erfolgsversprechender Trailhund lernen muss, aber das Wie und das Wann und das Wie schnell ist verschieden.

Freundliche Grüße

Gerrit Dieckman

Fortsetzung folgt.

12

Sonntag, 1. November 2009, 19:35

Vom Highwinder zur Spurtreue: Wie ?

Zu Holmes:

Stimme grundsätzlich zu. Aber: Das entkräftet mein Argument nicht.

Grüße

Gerrit Dieckman

13

Sonntag, 1. November 2009, 20:15

Hallo Gerrit,

das Lesen der Verhaltensweisen eines Hundes ähneln sich, egal welche Hunderasse nun an der Leine hängt. Ich für meinen Teil habe Hunde lesen von Kevin für mich und meine Hunde verinnerlicht. Dazu zählt auch eine solide Grundausbildung.

Das heißt, wenn ich mit einem Welpen beginne, nutze ich die gewachsenen Bodenflächen um ihm verständlich zu machen, was er suchen soll. Mein wichtigstes Ausbildungsziel ist es den Fokus auf die Trail zu legen. Welche Schwierigkeitsgrade er dabei abarbeiten muss/ soll, hängt ganz von den erreichten Trainingszielen ab. Wenn der Fokus nicht auf der Trail ist, dann kann ich solche von Dir eingefügten Trainingsinhalte nicht lösen.

Es gibt für den Hund keinen schlechten Tag, vielmehr liegt es an der angebotenen Motivationsarbeiten und dem Verständnis für die vom Hund geleistete Arbeit. Zum anderen kommt noch der Gedankengang des HF erschwerend hinzu. Seine während des Trails ausgeführten körperlichen Signale.

In Oklahoma während des dortigen Seminars recht lange mit einer HFin drüber gesprochen.

Bei einem dem Hund angepassten Dogtraining und dem späteren eingefügten Teamtraining, der über einen langen Zeitraum genutzten Motivationsarbeit(Intensity) und einer kritischen Betrachtung der eigenen Arbeit erhält man durchgehend eine stabile Leistung. Zum Spuren finden gehört noch einiges mehr. Klare sichere Negative und Casten um wieder einen Spuransatz zu finden.

Deine Gedankengänge/ Argumente will ich gar nicht entkräften. Ich verstehe MT anders und Fehler passieren über all und bei jeder Tätigkeit. Diese Fehler erkennen, zu hinterfragen und mit passenden Übungen in die Waage zu bringen, dass ist das Ziel einer gezielten Ausbildung.
Grüße
Holmes


Die meisten Leute arbeiten an Eiligen Dingen, nicht an den Wichtigsten
(Donald Rumsfeld)

WestLaekenteam

14

Sonntag, 1. November 2009, 20:19

Vom Highwinder zur Spurtreue: Wie ?

Liebe Ulrike (Foxi),

die Spurtreue hat für mich vordergründig erst mal nichts mit der Motivation des Hundes zu tun (und stimme dir damit zu), sondern eher doch wohl der Suchwille und die Suchausdauer. Nebenbei: Ich habe hier nicht geredet und rede nicht von Hunden, die Probleme mit ihrer Such - und Findemotivation haben, sondern von Hunden, die freiwillig ins Geschirr springen und vibrierend darin warten, dass es los geht.

Das Problem ist: Hunde, die fast ausschließlich hoch winden, neigen auch dazu, zu Randgehern oder Randsuchern (immer am Rande des Geruchsfeldes gehen) zu werden. Dies kann zu einem Problem bei der Ernstsuche werden, weil diese Suche am Rande des Geruchsfeldes entlang bis zum Ende (Finden der VP) länger dauert als die mehr spurtreue Suche, insbesondere in Fällen, wo die VP aufgrund bestimmter Verletzungen oder bei Selbstmorddrohungen schnell gefunden werden muss.

Ich bin der Meinung: Der Hund muss beides können, in der Höhe Geruchsfetzen suchen und finden und bodennah, um situativ flexibel und angemessen reagieren zu können. Ich stimme ja Babsi zu, dass gerade in der Ausbildungsphase von Junghunden (ich würde dies auf alle Neulinge erweitern wollen) ein Trainieren und Achten auf "relative" Spurtreue wichtig ist, aber ich wehre mich ganz entschieden gegen den neuerdings aufkeimenden Dogmatismus der Spurtreue. Würde ich das konsequent zelebrieren, hätte ich demnächst folgenden Dialog mit meinem Bloodhound Google: "Hey, Hundeführer (Übersetzung: Du olfaktorisch benachteiligter Trottel dahinten), wenn ich jetzt den Kopf heben würde, könnte ich den Geruch gut aufnehmen und die VP gut finden. Aber - weil du das verboten hast - lassen wir ihn eben im Wald liegen und verrecken." Das ist widersinnig und nicht zielführend. Wenn ich Dogmatismus will, kann ich mir zwei Piratenklappen auf die Augen drücken oder Tomaten drauf klatschen. Mich interessiert, was verändert und was funktioniert - für mich als speziellen Hundeführer, meinen speziellen Hund und unsere gemeinsame Aufgabe, Mantrailing, bis zum Erfolg.

Freundliche Grüße

Gerrit Dieckman

Fortsetzung folgt.

15

Sonntag, 1. November 2009, 20:35

Vom Highwinder zur Spurtreue: Wie ?

Lieber Holmes,

ich glaube, wir liegen bezüglich Ausbildungsziel möglichst stabiler Leistung, bezüglich der herausragenden Bedeutung der Motivation, bezüglich Notwendigkeit einer fundierten Grundausbildung, bezüglich der Bedeutung der Beobachtung des Suchverhaltens auf dem konkreten Trail und ggf. individuell zugeschnittener Korrekturmaßnahmen und Lernen aus Fehlern gar nicht so weit auseinander.

Wo ich aufgrund eigener Erfahrungen Unterschiede sehe, ist die unterschiedliche Tagesform. Hast du mal Suchhunde beobachtet, die unmittelbar am Tag vorher einen schwierigen Prüfungstrail oder Ernsteinsatz bewältigt haben ? Die sind durch. Wenn schon Motivation, dann höchstens Fire Trails, einfache Dinge, die Spaß machen und schnell Erfolg bringen. Es gibt tatsächlich Leute, die vor lauter Ehrgeiz diese Hunde wieder in den Einsatz bringen würden (und tun) und so verheizen. Der Hund will von MT erst mal eine Zeit überhaupt nichts hören und sehen.

Freundliche Grüße

Gerrit Dieckman

16

Montag, 2. November 2009, 09:10

Vom Highwinder zur Spurtreue: Wie ?

Werter Holmes,

mit Erstaunen und Verwunderung habe ich zur Kenntnis genommen, dass Sie mit Mail vom 01.11.2009 Ihrerseits der Meinung sind, das NBTI - Seminar vom 04.04. - 07.04.2010 wäre nichts für mich und meinen Hund, weil "Welten" zwischen Ihren und meinen Anschauungen und Sichtweisen des Mantrailing liegen.

Ich betrachte dies als einseitige von mir unprovozierte Kündigung und Aufhebung des Zustande gekommenen Vertrages von Ihrer Seite. Ich nehme die von Ihnen ausgesprochene Kündigung hiermit an.

Unter diesen Umständen gehe ich davon aus, dass mir die Seminargebühren in voller Höhe (400 Euro) umgehend überwiesen werden.

Wissen sie, Holmes, wir hier in Norddeutschland sind ein seltsames Völkchen: Wir stehen aufrecht und immer dem Sturm entgegen. Wir beugen unsere Knie vor keinem Herrn. Das macht unseren Charakter aus. Man gewinnt uns, aber man zwingt uns nicht. Wir sind unabhängig, bodenständig, eigenwillig und binden uns freiwillig wie unsere Bloodhounds.

Ich bin ein freier Mann mit einem freien Willen, mit einer freien Meinung, der unabhängige Entscheidungen trifft. Das tue ich als Unternehmer jeden Tag. Ich war in meinem ganzen Leben nicht erpreßbar und werde es auch zukünftig nicht sein.

Ich bedauere, dass die Teilnahme am Seminar so nicht möglich ist, da ich Herrn Kocher für einen guten Instruktor halte und bereit war, mit der mir gegebenen Lernfähigkeit und Lernwilligkeit konstruktiv am Seminar teilzunehmen. Ich glaube leider nicht, dass die Teilnahme mit Freude unter diesen Umständen noch möglich ist.

Nun, manche Entscheidung schließt eine Tür, dafür gehen drei andere wieder auf.

Freundliche Grüße

Gerrit Dieckman

flip

Fortgeschrittener

Beiträge: 277

Beruf: Dipl. Biologe

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17

Montag, 2. November 2009, 18:55

Deppenalarm? :wow
Wann immer Glauben ins Spiel kommt, hat Rationalität keine Chance.
Damit müssen wir uns abfinden.
Denn nichts verleiht einem Argument in dieser Welt so viel Kraft,
als wie der Wunsch, es möge wahr sein.

18

Montag, 9. November 2009, 15:31

Vom Highwinder zur Spurtreue: Wie ?

Liebe Claudia,

mittlerweile haben wir die Hunde wieder gut hinbekommen. Der Weg war folgender:

1. Das Normale stärken:

Es wurde weiter starker Wert darauf gelegt, dass der Hundeführer während des Trails ständig eine Gedächtnislandkarte anlegt, an welcher Stelle sein Hund welche Verhaltensweisen zeigt. Insbesondere die Frage "Wann war dein Hund das letzte Mal sicher auf dem Trail ?" und "Woran hast Du das erkannt ?" waren hier wichtig. Im Zweifelsfall kann der Hund zum Punkt der letzten Sicherheit zurück gecastet werden.

2. Das Bekannte auffrischen:

Wir haben zwei Einheiten darauf verwendet, Übungen zur Geruchsdifferenzierung (Scent discrimination) auf einer großen Wiesenfläche zu wiederholen: Zwei Personen gehen weg, eine davon die VP, die den Geruchsstoff hinterlässt. Die zwei Personen trennen sich nach einer bestimmten Wegstrecke. Der Hund muss an der Trennungsstelle der VP folgen, ansonsten sanfte Korrektur.

3. Den Geruch deutlicher machen:

Bei den normalen Übungs - Trails hat die VP einen Schal mit ihrem Geruch dabei, den sie bei Richtungsänderungen, z.B. an Kreuzungen eine kurze Zeit über den Boden schleifen lässt.

4. Den Trail auf Asphalt markieren:

Die VP hinterlässt einen Geruchsstoff (in diesem Fall ein von ihr kontaminiertes Taschentuch in Plastiktüte) wie üblich am Startpunkt für die Geruchsaufnahme des Hundes. Sie nimmt ein zweites (oder bei langen Trails mehr) Taschentuch auf den Trail mit und läßt abgerissene Teile davon auf dem Trail liegen, bei stärkerem Wind auch durch Kiesel beschwert.

Ergebnis: Alle Hunde arbeiten stärker bodennah als vorher und lernen, dass eine mehr bodennahe, mehr spurtreue Suche Erfolge bringt (ohne Garantie, aber bei uns hat es funktioniert). Vielleicht funktioniert es ja auch bei Euch. Drücke die Daumen.

Freundliche Grüße

Gerrit Dieckman

19

Montag, 9. November 2009, 15:51

Das ist doch nen Fake, oder?? 8|
Grüße Silvia
Ein Frosch der im Brunnen lebt,
beurteilt das Ausmaß des Himmels
nach dem Brunnenrand.

(Aus der Mongolei)


Westlaekenteam

20

Montag, 9. November 2009, 19:39

hmm.. wie war der Name von dem Märchen wo Krümel fallen gelassen wurden ??



im Zweifelsfall hilft das der VP den Weg zurückzufinden



immer wieder sehr hilfreich das Forum.. danke für die Tips :respekt

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